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MeinLeistungsCheck

MeinLeistungsCheck ist ein Projekt des Startups CIVIS.digital, gefördert durch das EU-Programm ESF Plus. Die Web-App hilft komplexe Ansprüche auf Sozialleistungen zu prüfen, Anträge zu generieren und Behördenbriefe mithilfe von KI zu verstehen. Ich habe als alleinige Designerin ein MVP für einen Pilot Test in der lokalen Sozialberatung konzipiert.

Zeitraum

März 2026 – ca. 5 Wochen

Leistungen

Market & User Research Feature Scoping Styleguide MVP App Prototype

Impact

Skalierbare Produkt-Architektur

Vision wurde in ein modulares, White-Label Produkt übersetzt, um es direkt an Kommunen und Städte zu vermarkten

Ready-to-build MVP

Übergabe eines Figma-Prototyp und Markdown-Styleguide an die Entwicklung zur Validierung in der Pilotphase

Research & Konzept

Expertenwissen für Personas

Ausgangspunkt der Recherche war ein Experteninterview mit einem erfahrenen Caritas-Sozialarbeiter. Auf Basis realer Beratungsfälle entstanden Proto-Personas. Da die gesamte Bevölkerung potenzielle Zielgruppe ist, liegt der Fokus auf Barrierefreiheit und Inklusion.

Vision vs. MVP — Validierung der Jouney

Aus der definierten Produktvision wurde der MVP-Scope abgeleitet. Die User Journey wurde gemeinsam mit dem Sozialarbeiter und der Startup-Gründerin erarbeitet, anhand der Persona einer alleinerziehenden Mutter — laut Sozialarbeiter der häufigste Beratungsfall. Im Mittelpunkt stand der Abgleich, ob die Features tatsächlich an den relevanten Pain Points ansetzen.

Erkenntnisse

Zugangswege zum MVP (QR-Code vs. Location) müssen für die Pilotphase definiert werden

KI-Einsatz im MVP und langfristig im Produkt muss konkretisiert werden – Team alignemt notwendig

Dialog-Design

Chatten statt starres Formular ausfüllen

Die technische Grundlage für die Berechnung und Antragsgeneration stammt aus der Desktop-Anwendung SO12 für Fachkräfte. Der Umfang der benötigen Datenabfrage ist ähnlich einer Steuererklärung. Die zentrale Herausforderung war: Wie wird daraus eine mobile App für Menschen ohne Vorwissen? Als Referenzen dienten Steuer-Apps wie WISO und Taxfix sowie Artikel von Formular-Expertin Caroline Jarrett, die das GOV.UK Design System mitgeprägt hat.

Standard Form

Eingabemasken, strukturierte Felder, mehrere Inputs pro Schritt

Effizient für Power User, mehr Kontext auf einmal, vertrautes Muster

höhere kognitive Last

Conversational Form

Chat-basierte Eingabe, eine Frage pro Schritt, gesprächsähnlicher Ablauf

niedrige Einstiegshürde, geringe kognitive Last

bremst Experten aus

Chat für Novizen, Formular für Experten

Für eine einmalige Nutzung der App ohne Vorwissen überwiegen die Vorteile der Conversational Form. Wo Geschwindigkeit und Kontext wichtiger sind, bleibt das Formular überlegen.

User Flow

Vom redundanten Expertenformular zum schlanken Mobile Flow

Die Desktop-Anwendung SO12 gibt Fachkräften viel Freiheit: freie Navigation zwischen Themen, kaum Pflichtfelder, kein striktes Error-Handling. Für eine mobile App für unerfahrene Nutzer funktioniert das nicht. Es braucht einen fehlerresistenten, situationsadaptiven, geführten User Flow.

Potentielle Abfragen

70 Gateway-Fragen (Pogressive Disclosure)
+ 12 bis 40 persönliche Eingaben
+ bis zu 250 Finanzfragen

+ min. 12 Eingaben zur Wohnsituation

= exponentiell wachsende Fragenanzahl nach Haushaltsgröße

How Might We…

...die Abfrage so reduzieren und führen, dass möglichst wenig User unterwegs abbricht?

...einen einzigen User Flow definieren, der jede mögliche Haushaltskonstellation abdeckt?

Für die Datenabfrage in SO12 gibt es leider keine Dokumentation. Variablen und Abhängigkeiten wurden reverse engineert und in einem Entity-Relationship-Modell abgebildet. Es wird unterschieden zwischen User, Partner und Familienmitgliedern — jeweils mit Einkommen und Lebenssituation als zentrale Attribute.

Dialog-Generator als Single Source of Truth

Zunächst wurden umfangreiche Flowcharts zur Optimierung des Fragenflusses erstellt. Die bedingte Logik mit konditionalen Fragen und vordefinierten Antwortoptionen ließ sich damit nicht vollständig abbilden. Deswegen entwickelte ich mit Gemini einen Dialog-Generator: eine JSON-Datei als Datengrundlage und eine HTML/JS-Anwendung zum Testen mit Dummy-Daten. Sie dient der Entwicklung als Single Source of Truth.

Accessible Styleguide

Visual Identity im Produktkontext

Die kostenlose Version von MeinLeistungsCheck muss als eigenständiges Produkt auftreten. Logo, Farbgebung und Typografie wurden im Kontext des gesamten Produktkatalogs entwickelt. Grün wurde gewählt wegen der positiven Assoziation mit Fortschritt und dem grünen Haken als Symbol für erfolgreich beantragte Leistungen.

Designsystem für White-Label und Inklusion

Da MLC als White-Label-Lösung für Kommunen und Städte geplant ist, wurde ein neues Designsystem aufgebaut. Die Design Tokens sind für Skalierung und White-Label-Anpassung ausgelegt — für MLC, SO12 und zukünftige Produkte.

Barrierefreiheit hat bei MLC besonderes Gewicht: Die Zielgruppe reicht von älteren und technikfernen Menschen bis zu Personen mit Sehschwäche oder motorischen Einschränkungen wie Tremor. Deshalb wurden WCAG und BITV 2.0 als Leitlinien angelegt und z.B. interaktive Elemente nach Thumb Zone positioniert.

Minimale Anforderungen

WCAG: Mindestens 44x44 px pro Button/Link

BITV: Abstand ≥8 px zwischen interaktiven Elementen

WCAG: Single-Tap als Alternative zu Gesten

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